Exklusives Spieltag

Aki Watzke: Post aus Leipzig…

Blick auf die Dortmunder Nordtribüne - mit mehr als 8.000 Leipziger Fans und den Roten Bullen beim abschließenden Gang in die Kurve. Foto: Markus Laue / Der Bullenblog.

Die Fanclubs von RB Leipzig haben nach den schweren Ausschreitungen rund um die Partie bei Borussia Dortmund (0:1) am Samstag harte Kritik auch an den Sicherheitsvorkehrungen geübt. In einer Stellungnahme an den Deutschen Fußball-Bund (DFB), die Deutsche Fußball Liga (DFL) und Borussia Dortmund schrieb der Fanverband des Bundesliga-Aufsteigers und auch der Fanclub Bornaer Bullen einen offenen Brief.

Wie viel Verantwortung liegt bei Dortmund-Chef Watzke?

Der offene Brief der Bornaer Bullen liegt auch bei Der Bullenblog vor. Sie richteten ihre Kritik direkt an den Vorstandsvorsitzenden von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke (57), der mit Spitzen gegen RBL die Stimmung im Vorfeld der Partie zusätzlich angeheizt hatte.

Der Fanclub wirft Borussia Dortmund ein fehlerhaftes Sicherheitskonzept rund um die Partie vor, dazu kommt der Vorwurf der Doppelmoral. Watzke selbst werfen die RBL-Anhänger vor, „Hass zu säen.“ Wörtlich heißt es: „Wir „Bornaer Bullen“ sind nicht nur auf Grund fehlender sportlicher Perspektiven der Leipziger „Traditionsvereine“ Fans des RB Leipzig, sondern auch, weil die Fankultur des RB Leipzig für einen friedlichen und respektvollen Umgang mit den eigenen und gegnerischen Fans steht. Gegnerische Fans stoßen in unserer Red Bull Arena durchaus auch auf Ablehnung, jedoch werden Sie von uns Fans respektvoll und ohne Hass empfangen. Selbst erkennbare Fans von Eintracht Frankfurt, die sich in den Fanblock verirrt haben, kommen heil wieder raus. Hassgesänge der Gästefans werden (selbst-)ironisch beantwortet und nicht durch Hass. (…) Sie stehen persönlich zumindest moralisch für Gewalt- und Hassexzesse Ihrer Anhänger gegenüber den RB Leipzig-Fans. Sie schüren öffentlich Hass in Bezug zu RB Leipzig, in Ihrem respektlosen Verhalten gegenüber der Führung und Anhänger von RB Leipzig. Wir Fans kamen uns vor wie Schlachtvieh, begleitet von zerfleischenden Tieren und applaudierenden „Traditions“-Fans, die zum Schlachthof getrieben werden!“

Zum angeblich fehlenden Sicherheitskonzept: „Es fehlte an ausreichendem Sicherheitspersonal der Polizei. Bereits bis zur Strobelallee sind wir Fans bepöbelt, bespuckt und mit Dosen beworfen worden. Auf der Strobelallee wurde der gesamte Fanzug von links und rechts bespuckt, mit Dosen, Ketchupflaschen, Farbbeuteln und Leuchtraketen beschossen. Es gab persönliche tätliche Übergriffe Ihrer Anhänger. Die Polizei war unterbesetzt. Ein Sicherheitskonzept zwischen Ihrem Club und der Polizei gab es offenbar nicht. Sämtliche Übergriffe gingen nicht nur von Ihren „Problemfans“ aus, sondern von fast ALLEN Fans Ihres Traditionsclubs entlang der Strecke.“

Ein „Skandal sondersgleichen“

,,Fans allen Alters“, so beklagen die Bornaer Bullen weiter, „Familien, deutlich nicht so gekleidet wie es gewaltbereite Fans und Ultras sonst sind, wurden angegriffen. Wie gesagt: Von „normalen Fans“ Ihres Clubs.“ Zudem monieren sie „keine ausreichende Absicherung des U-Bahnhofs, keine ausreichende Absicherung des Gangs von der U-Bahn zum Zug.“ Ihr Vorwurf an Watzke: „Sie persönlich sind verantwortlich für den Hass, der uns entgegen schlug! Sie persönlich schüren unter den Fußballanhängern nicht nur Rivalität und Abneigung, sondern Gewaltpotential. Dass Sie bzgl. Gewaltausbrüchen und Kommerz im Fußball offenbar mit Doppelmoral unterwegs sind, ist ein Skandal sondersgleichen. (…)Sie und Ihre Fans sind das, was man mit Geld nicht kaufen kann? Wie kann man denn Aktien Ihres Unternehmens erwerben?“ Die Forderung der Leipziger an den BVB-Vorstandschef: „Herr Watzke, übernehmen Sie öffentlich persönlich die mindestens moralische Verantwortung für die Gewaltexzesse hunderter Ihrer Fans gegenüber den friedlichen 8.000 Leipziger Fußballfans! (…) Überdenken Sie, ob Sie sich öffentlich gegenüber RB mäßigen und künftig ein Mindestmaß an Respekt und Fairness walten lassen! Überdenken Sie Ihre Vorbildfunktion gegenüber dem eigenen Anhang!“

Kein erkennbares Sicherheitskonzept

Der Fanverband der Leipziger monierte in seinem Schreiben, dass aus Sicht der Anhänger ein Sicherheitskonzept zu „keiner Zeit zu erkennen“ gewesen sei. Er berichtete auch davon, dass mit Bussen angereiste Fans überfallen, geschlagen und deren Eintrittskarten gestohlen worden seien. „Zusammenfassend muss man sagen, dass Verein und Stadt ein sehr schlechtes Bild abgegeben haben, welches in diesem Ausmaß völlig neu für uns war.“




Über den Redakteur

Carsten Germann

Carsten Germann ist studierter Medienwissenschaftler und Germanist. Seit 1. Januar 2017 betreut er den Bullenblog als leitender Redakteur. Zudem schreibt der Wahl-Hamburger als freiberuflicher Sportjournalist für BWIN Fußball, SPORT BILD und WahreTabelle, ist zudem Autor mehrerer Bücher über die Fußball-Bundesliga und die englische Premier League.

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