Exklusives Spieler

Exklusiv: RB-Abwehrchef Willi Orban im Interview

17. Dezember 2016: Willi Orban (RB Leipzig) bejubelt seinen Treffer zum 2:0 gegen Hertha BSC. Foto: PICTURE POINT / Roger Petzsche.

Am Wochenende gegen Borussia Mönchengladbach muss RBL-Abwehrchef Willi Orban (24) seine fünfte Gelbe Karte absitzen. Bullenblog-Redakteur Carsten Germann sprach mit ihm am Freitag im EXKLUSIV-Interview über Nationalmannschafts-Ambitionen, Neuzugänge und Routiniers in der Abwehr der Roten Bullen und über den Umgang mit Bashing.

Der Bullenblog: Herr Orban, ganz Fußball-Deutschland diskutiert immer noch über die Vorfälle in Dortmund. Bei ihrem Ex-Verein 1. FC Kaiserslautern gab es im letzten Jahr in der 2. Liga einen ähnlich heftigen Empfang für RB. Wie haben Sie als Spieler die Geschehnisse wahrgenommen?

Willi Orban: So etwas gehört nicht zum Fußball und ist auf das Schärfste zu verurteilen. Es ist einfach nur traurig und ebenso erschreckend, dass dieses Thema im Vordergrund stand und nicht ein sehr ansprechendes Fußballspiel. Wir lassen uns aber von solchen Tätern nicht von unserem Weg abbringen, sondern gehen diesen unbeirrt und konsequent weiter.

Der Bullenblog: Wirkt so etwas auch demotivierend für einen Fußballprofi? Wie geht die Mannschaft damit um?

Orban: Grundsätzlich ist es so, dass wir als Verein polarisieren – und das ist auch gut so. Klar ist aber, dass wir gewisse Fangruppierungen nicht bekehren können und das auch gar nicht wollen. Wir konzentrieren uns darauf, unsere Leistung Spieltag für Spieltag bestmöglich abzurufen. Zudem sind wir einfach eine eingeschworene Truppe mit einem extremen Teamspirit und unser Auftreten auf und neben dem Platz spricht für sich. Denn aufgrund dessen steigt unsere bundesweite Akzeptanz und Beleibtheit immer mehr an.

Der Bullenblog: Sie haben sich im Sommer 2015 entschieden, Ihren Stammverein 1. FC Kaiserslautern nach fast 20 Jahren in Richtung Leipzig zu verlassen. Wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?

Sehr gut. Ich hatte eine tolle Zeit in Kaiserslautern, aber der Wechsel nach Leipzig war der absolut richtige Schritt. Die Bedingungen bei RBL sind herausragend, der Verein hat eine klare Philosophie, die hier konsequent gelebt und umgesetzt wird. All das führt dazu, dass man sich hier als Sportler bzw. Fußballer sehr gut weiterentwickeln kann. Daher fällt mein Fazit überaus positiv aus.

Der Bullenblog: Ralf Rangnick hat nach dem Besuch von Bundestrainer Joachim Löw im Spiel gegen 1899 Hoffenheim betont, dass es außer Timo Werner „noch andere Nationalmannschaftskandidaten aus Leipzig“ gäbe – Sie haben zweimal für die deutsche U21 gespielt, wäre auch „Die Mannschaft“ für Sie ein Thema, ein Traum?

Natürlich ist es für mich wie für jeden anderen Leistungssportler auch, ein Traum und gleichermaßen ein Ziel und Ansporn sein Land repräsentieren zu dürfen. Ich konzentriere mich aber voll auf die Leistung im Verein und in der Liga, alles Weitere lasse ich auf mich zukommen.

Der Bullenblog: Mit Dayot Upamecano hat RBL im Winter einen weiteren Innenverteidiger geholt. Wie sehr kann er der Defensive direkt helfen?

Dayot hat eine große Qualität und ein enormes Potential. Gegen Dortmund hat man schon im Ansatz sehen können, wie robust, schnell und abgeklärt er ist. Er ist noch sehr jung, aber er bringt vieles mit, um uns direkt helfen zu können.

Der Bullenblog: Wie wichtig ist ein erfahrener Bundesligaprofi wie Marvin Compper für das Team und wie sehen Sie seine Rolle innerhalb der Mannschaft, nicht nur auf dem Platz?

Marvin ist ein sehr wichtiger Spieler für uns. Er ist sehr erfahren und antizipiert mögliche Gefahrensituationen schon frühzeitig, zudem strahlt er Ruhe und Zuverlässigkeit aus und ist auch immer für ein Tor gut, wie man gegen Frankfurt einmal mehr gesehen hat. Und selbstverständlich haben seine Meinung und sein Blick auf gewisse Dinge auch ein entsprechendes Gewicht.

Der Bullenblog: Sie gelten bei RBL in der Innenverteidigung als gesetzt – wie bewerten Sie die bisherigen 20 Bundesligaspiele der Roten Bullen, was ist am Saisonende drin?

Wir stehen auf Platz zwei mit sieben Punkten Vorsprung vor dem Dritten, bislang läuft es richtig klasse für uns. Wir fahren gut damit von Spiel zu Spiel zu denken, das hat uns bislang stark gemacht. Es hilft uns nicht, zu weit in die Ferne zu schweifen, es sind noch 14 Partien zu spielen und jedes einzelne Spiel wird eine Herausforderung, bei der wir an unser Limit gehen müssen, um zu punkten. Deshalb mache ich mir jetzt überhaupt keine Gedanken, was am Saisonende drin sein könnte, denn so verliert man nur den Fokus und das wäre alles andere als hilfreich.

Der Bullenblog: Viele Experten, darunter Eduard Geyer oder Lothar Matthäus, sehen Leipzig am Saisonende in der Champions League. Was muss noch schief gehen, damit dieser Fußballtraum, als erster Verein aus Ostdeutschland in der „Königsklasse“ zu spielen, nicht in Erfüllung geht?

So zu denken, wäre der völlig falsche Ansatz. Wie gesagt, es sind noch 14 Spiele zu absolvieren, die Partien gewinnt man in der Bundesliga nicht von allein. Wir sind auf einem guten Weg, sollten aber bodenständig bleiben und nicht vergessen, jedes Spiel Vollgas zu geben und jeden Gegner sehr ernst zu nehmen.




Über den Redakteur

Carsten Germann

Carsten Germann ist studierter Medienwissenschaftler und Germanist. Seit 1. Januar 2017 betreut er den Bullenblog als leitender Redakteur. Zudem schreibt der Wahl-Hamburger als freiberuflicher Sportjournalist für BWIN Fußball, SPORT BILD und WahreTabelle, ist zudem Autor mehrerer Bücher über die Fußball-Bundesliga und die englische Premier League.

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