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Matchday: Was eint, was trennt RB Leipzig und 1899?

Sinsheim, 28.08.2016, ein historischer Moment für den RBL: Timo Werner (l.) und Dominik Kaiser (m.) bejubeln dessen Treffer zum 1:1 bei 1899 Hoffenheim, das erste Bundesliga-Tor der Leipziger. Niklas Süle (m.), der im Sommer zum FC Bayern wechseln wird, ist frustriert. Foto: PICTURE POINT / R. Petzsche.

Es ist noch gar nicht so lange her. Im Jahr 2006 galt Bundesliga-Fußball in Leipzig und im beschaulichen Kraichgau als eine Art Science-Fiction. In der Bachstadt dümpelte der einstige Europapokalfinalist 1. FC Lok in der siebten Liga und rund um Sinsheim fanden sich mit dem Karlsruher SC, dem 1. FC Kaiserslautern, dem VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt eine Menge Klubs, die sich fest im Profifußball etabliert hatten. Das änderte sich 2008. Mit der TSG 1899 Hoffenheim stürmte eine Mannschaft in die Bundesliga, die wohl nur die wenigsten Experten auf dem Zettel hatten. Ein Jahr später stieg RB Leipzig in den Spielbetrieb ein.

Elf Jahre später, am heutigen Samstag (15.30 Uhr / Live bei SKY und im Bullenblog-Ticker), ist die Begegnung RBL – 1899 Hoffenheim das Verfolgerduell der Fußball-Bundesliga. Aber was verbindet, was trennt diese beiden Vereine, die von vielen Fußball-Traditionalisten als „Plastikklubs“ geschmäht werden?

Erfrischende Spielweise eint RBL und Hoffenheim

Augenfällig zunächst: Die Spielweise. RBL und „Hoffe“ stehen für attraktiven Offensivfußball. „Auch die Hoffenheimer haben einen guten Plan“, lobt der frühere TSG-Spieler und RB-Kapitän Dominik Kaiser den heutigen Gegner, „wie wir arbeiten sie mit zehn Mann gegen den Ball.“ Die Bullen kommen unter Coach Ralph Hasenhüttl (49) bevorzugt im 4-2-2-System auf die Wiese, Hoffenheims Trainer-Junior Julian Nagelsmann (29) spielt zumeist im 3-5-2-Schema. Auch die Struktur der beiden Teams ist ähnlich: Junge, idealerweise deutsche Profis, technisch hoch beschlagen – das ist das Anforderungsprofil in Leipzig und Hoffenheim. Die TSG stellte beim 2:0-Auftaktsieg letzte Woche in Augsburg mit Steven Zuber nur einen ausländischen Profi, bei den Leipzigern waren beim 3:0 gegen Frankfurt mit Naby Keita und Bernardo nur zwei Spieler in der Startelf, die über eingeschränkte Deutschkenntnisse verfügen.

Seit dem Aufstieg ist RBL Staatsfeind Nummer eins der Traditionalisten

Die beiden Emporkömmlinge machen jedoch nicht allen Fußballfans in Deutschland Spaß. Anders als andere, von großen Konzernen unterstützte Klubs wie Bayer 04 Leverkusen oder VfL Wolfsburg rufen sie den Protest der so genannten „Traditionalisten“ auf den Plan. Waren die Hoffenheimer bislang die Zielscheibe dieser Aggressionen, so wurden sie spätestens mit dem RB-Aufstieg in die Bundesliga als Feindbild Nummer eins abgelöst. Auf der anderen Seite erspielten sich die Roten Bullen durch ihren souveränen, ironisch-intelligenten Umgang mit diesen Anfeindungen deutschlandweit Sympathien. Hoffenheim widerlegte mit der Super-Hinrunde 2008 alle Kritiker.

Last but not least: Das Mäzenatentum. Der Software-Milliardär Dietmar Hopp (76) in Sinsheim und der Österreicher Dietrich Mateschitz (72) in Leipzig küssten mit ihrem Investment in den Profifußball, aber auch in die immens erfolgreiche Nachwuchsarbeit der beiden Klubs eine ganze Region wach. Dreistellige Millionenbeträge führten beide Vereine auf die Fußball-Landkarte und – das wird die Rückrunde zeigen – möglicherweise sogar nach Europa.

Doch es gibt auch auffällige Unterschiede zwischen den beiden Kontrahenten. So investiert Hopp in Sinsheim auch in seine Heimatregion, mit dem Ziel, die TSG dauerhaft im oberen Drittel der Liga zu etablieren. Mateschitz hat neben dem Vorstoß nach Europa auch die Direktive abgegeben, mit RBL die Deutsche Meisterschaft zu holen. Auch in der Mitbestimmung gibt es Unterschiede: Während Dietmar Hopp im operativen Geschäft der Hoffenheimer mitmischt, sieht man Mateschitz selten in der Red Bull Arena. Die sportlichen Belange überlässt der Österreicher viel mehr einem, den man auch in Hoffenheim bestens kennt: RB-Sportdirektor und 1899-Aufstiegstrainer Ralf Rangnick.




Über den Redakteur

Carsten Germann

Carsten Germann ist studierter Medienwissenschaftler und Germanist. Seit 1. Januar 2017 betreut er den Bullenblog als leitender Redakteur. Zudem schreibt der Wahl-Hamburger als freiberuflicher Sportjournalist für BWIN Fußball, SPORT BILD und WahreTabelle, ist zudem Autor mehrerer Bücher über die Fußball-Bundesliga und die englische Premier League.

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