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Reaktionen im Bullenblog: Nie wieder Dortmund!

Die Protestwelle gegen RB Leipzig erreichte in Dortmund eine neue Dimension und einen absoluten Tiefpunkt. Foto: PICTURE POINT.

Das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund wird für viele der mitgereisten 8.000 Leipziger Fans noch lange in schmerzhafter Erinnerung bleiben.

Nicht wegen der 0:1-Niederlage und dem in der Nachspielzeit wegen einer Millimeter-Entscheidung nach Abseits nicht gegebenen Treffer zum möglichen 1:1, sondern wegen der unglaublichen Anfeindungen und der Gewalt, die den Leipziger Anhängern und dem Team entgegenschlug.

Geschmacklosigkeit pur auf der ,,gelben Wand“

Schon vor dem Spiel war die Atmosphäre in Dortmund aufgeheizt, so genannte „Traditionalisten“ hatten überall in der Revierstadt Anti-RB-Plakate aufgehängt. Beim Einlauf der beiden Mannschaften waren dann auf der Südtribüne, die respektvoll auch „Die Gelbe Wand“ genannt wird und die für ihren unerschütterlichen Support bekannt ist, Spruchbänder gegen RBL und Ralf Rangnick zu sehen, die jenseits der Geschmacksgrenze sind und die hier deshalb auch nicht mehr zitiert werden.

„Krass“, „Wahnsinn“, „richtig übel“, beurteilten die mitgereisten RB-Fans die Vorkommnisse rund um den Signal Iduna Park. Sie waren dort von „rund 350 Dortmunder Ultras und Problem-Fans“, so ein Polizei-Sprecher, attackiert worden. Es flogen unter anderem Steine, Glasflaschen, und Leuchtraketen. Es wurde gepöbelt und geprügelt. Es gab blutende Platzwunden und ohnmächtig am Boden liegende Menschen. Es flossen Blut und Tränen. Laut RB-Fanverband landeten zehn Leipziger im Krankenhaus.

Gewalt auch gegen Kinder

Im Bericht der Polizei Dortmund war anschließend von „einer extremen Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Dortmunder Anhängerschaft“ die Rede. Dass die Vorkommnisse jenseits der üblichen Scharmützel lagen, zeigt eine andere Formulierung der Beamten: Die Gewalt habe sich gegen jede als Leipzig-Fan erkennbare Person gerichtet, „egal, ob es sich um kleine Kinder, Frauen oder Familien handelte.“

RB-Fan Sebastian Drauschke schrieb dazu bei Der Bullenblog. „Das war ein Katastrophe Ankunft sowie zur Rückfahrt, es war keine richtige Polizeibegleitung da und es kam einem so vor, als wollte die Polizei, dass es gegen die RB-Fans gehen sollte. Nach Dortmund zum Spiel muss man nicht mehr fahren.“ Robert Matthies fasste sich kürzer: „Tradition scheint dumm zu machen.“ Daniel Ram verspürte angesichts des RB-Bashings „viel Mimimi“. Zu den Attackierten gehörte auch Daniel Berndt. ,,Ich wurde nur ans Knie getreten und habe einen Bierbecher abbekommen. Aber ich habe gesehen, wie einer von uns mit einer Glasflasche am Kopf getroffen wurde“, sagte er dem MDR.

RB-Anhänger klagen an: ,,Es gab keine Fantrennung!“

Hätten die Ausschreitungen verhindert werden können? Die Polizei Dortmund wusste durch Szenekundige Beamte (SKB) schon im Vorfeld, dass sich am Samstag etwas zusammenbrauen würde und konnte deshalb eine geplante Blockade des RB-Teambusses verhindern. Was die Exzesse vor dem Stadion angeht, schüttelt sie mit dem Kopf. „Wir haben versucht, die Fans zu trennen. Wegen der Enge der Straße am Stadion Rote Erde ist das aber nicht mehr möglich“, betonte ein Sprecher. RB-Fan Daniel Berndt sieht das anders: „Es gab praktisch keine Fantrennung. Und es war viel zu wenig Polizei da. Als unser riesiger Pulk am Stadion ankam, liefen höchstens acht Polizisten vornweg. Die konnten natürlich nichts machen.“

Die Dortmunder Vereinsführung distanzierte sich am späten Sonntagmorgen: 2Borussia Dortmund bedauert zutiefst, dass es zu Ausschreitungen auf dem Anreiseweg der Fans aus Leipzig gekommen ist. Der BVB verurteilt diese Gewalt aufs Schärfste!“ Gemeinsam mit der Polizei sollen die Vorkommnisse nun aufgearbeitet werden, hieß es in der Mitteilung, eine weitere Stellungnahme war von Dortmunder Seite aus nicht geplant.




Über den Redakteur

Carsten Germann

Carsten Germann ist studierter Medienwissenschaftler und Germanist. Seit 1. Januar 2017 betreut er den Bullenblog als leitender Redakteur. Zudem schreibt der Wahl-Hamburger als freiberuflicher Sportjournalist für BWIN Fußball, SPORT BILD und WahreTabelle, ist zudem Autor mehrerer Bücher über die Fußball-Bundesliga und die englische Premier League.

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