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Oliver Burke zurück nach England? „No way!“

Beim 1. FC Köln (1:1) erzielte Oliver Burke sein bislang einziges Liga-Tor für RBL. Foto: PICTURE POINT / R. Petzsche

Crystal Palace, der FC Middlesbrough und Ex-Klub Nottingham Forest klopften in der Winterpause bei Oliver Burke (19) an. Doch ihre Absicht, den Sturmbullen zurück auf die Insel zu holen, durchkreuzte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick (58) mit einem ebenso knappen wie klaren „No way!“ per SMS.

Den für 15,2 Millionen im Sommer in einem echten Transfer-Abenteuer nach Leipzig geholten Rohdiamanten des schottischen Fußballs wollte man nicht so ohne weiteres wieder abgeben. Burke selbst betonte in der Winterpause immer wieder, dass er „ein verrücktes halbes Jahr“ hinter sich habe und dass er „überhaupt nicht die Absicht“ habe, seinen bis 2021 gültigen Vertrag vorzeitig zu beenden. „Es ist eine völlig andere Art, Fußball zu spielen, als das, was ich vorher gekannt habe“, sagt Burke dem Kicker, „aber ich spüre, dass ich Schritt für Schritt weiterkomme.“ Oder, wie der geneigte Schotte sagt: „Slowly but surely“, langsam aber sicher.

,,Burke ist eine Rakete!”

Langsam aber sicher merkt man auch den Einfluss der Leipziger Fußballschule auf den Schotten, der wenige Tage vor Transferschluss im Sommer aus Nottingham losgeeist wurde. Nachdem der Aufsteiger ein Angebot von Nottingham für Burke erhalten hatte, düste Ralf Rangnick im Privatjet nach England – und kam drei Tage vor dem Ende der Transferperiode dem FC Arsenal, dem FC Bayern und den Tottenham Hotspur zuvor. „Burke ist eine Rakete, ein Naturereignis“, schwärmte der Schwabe, nachdem der Deal perfekt war. „Was er an Power und Antritt zu bieten hat, ist außergewöhnlich“, schwärmt auch RBL-Urgestein Dominik Kaiser von ihm. „Wir wussten, dass wir mit ihm einen Spieler mit großem Potenzial haben“, sagt Rangnick im Rückblick, „wir wussten aber auch, dass wir im taktischen Bereich noch viel Arbeit vor der Brust haben.“ Ralph Hasenhüttl (49) stellte anfangs fest: „Von der Arbeit gegen den Ball hat er noch nie was gehört“ – aber die gehört in Leipzig eben zwingend dazu. Zwar stand Burke nur einmal in der Vorrunde – beim Rückrundenstart gegen 1899 Hoffenheim (2:1) fehlte er grippekrank – in der Startelf, aber beim 1:1 in Köln ließ er sein großes Potenzial erahnen, traf im ersten Spiel schon nach fünf Minuten. Mehr als vier Monate später sagt Rangnick: „Ich finde, er hat sich verbessert, vor allem im Spiel gegen den Ball, dass es dauert, bis das alles in Fleisch und Blut übergegangen ist, ist doch logisch.“

Auch Aubemeyang und Lewandowski waren nicht immer Superstars

Der Aufstiegstrainer der Roten Bullen weiß aber auch, dass „ein Lewandowski oder ein Aubameyang nicht gleich im ersten Jahr zu dem geworden sind, was sie heute sind.“ Mit 19 spielte „Lewi“ noch bei Lech Posen, „Auba“, Top-Torjäger des BVB, wurde im gleichen Alter vom AC Mailand zu Dijon in die zweite französische Liga ausgeliehen.

Dortmund stellte gleich drei Schotten

Burke ist übrigens der achte Schotte, der seit 1963 sein Fußballerglück in Deutschland versucht. Den Anfang machten Vincent Mennie 1983 beim 1. FC Köln und Mark McGhee 1984 beim Hamburger SV. Ihnen folgte 1987 Murdo MacLeod, der in Diensten von Borussia Dortmund mit 103 Spielen (4 Tore) als DFB-Pokalsieger 1989 zur Legende wurde. Bayern Münchens erster Schotte hieß 1989 Alan McInally. „Mac“ machte bis 1993 allerdings nur 40 Spiele (10 Tore) für die Bayern. Borussia Dortmund, nächster Gegner der Roten Bullen, ist dabei die „Schotten-Kolonie“ der Liga. Nach MacLeod folgten auch Paul Lambert und Scott Booth dem Ruf des westfälischen Kultklubs. Lambert holte 1997 mit dem BVB die Champions League. Brian O’Neil spielte von 1998 bis 2000 beim VfL Wolfsburg.




Über den Redakteur

Carsten Germann

Carsten Germann ist studierter Medienwissenschaftler und Germanist. Seit 1. Januar 2017 betreut er den Bullenblog als leitender Redakteur. Zudem schreibt der Wahl-Hamburger als freiberuflicher Sportjournalist für BWIN Fußball, SPORT BILD und WahreTabelle, ist zudem Autor mehrerer Bücher über die Fußball-Bundesliga und die englische Premier League.

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