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„El Plastico“, „El Gigantisimo“ – Für Nagelsmann „völlig wurscht!“

Sinsheim, 28.08.2016, ein historischer Moment für den RBL: Timo Werner (l.) und Dominik Kaiser (m.) bejubeln dessen Treffer zum 1:1 bei 1899 Hoffenheim, das erste Bundesliga-Tor der Leipziger. Niklas Süle (m.), der im Sommer zum FC Bayern wechseln wird, ist frustriert. Foto: PICTURE POINT / R. Petzsche.

Nein, diese beiden Vereine müssen in der Liga nicht um Spott betteln! Als „Dosen-Club“ wird der RB Leipzig oft geschmäht, die Hoffenheimer werden von ihren hartnäckigen Gegnern „Hoppelheim“ genannt. Während die Schmähungen der gegnerischen Fans gegen Hoffenheim – Dortmunder Anhänger zeigten 2008 beim ersten Auftritt in Mannheim ein Plakat mit 1899-Mäzen Dietmar Hopp (76) im Fadenkreuz – in den letzten Jahren abebbten, sehen sich die Roten Bullen nach wie vor bei jedem Auswärtsspiel im Fokus. Fan-Boykotte der gegnerischen Teams, Protestaktionen auf den Rängen, das ist das volle Bashing-Programm gegen den Liga-Neuling.

Klar, dass es vor dem direkten Duell der beiden Teams am Samstag (15.30 Uhr / Live bei Sky und im Bullenblog-Ticker) jede Menge Lästereien gab.

„El Plastico“ – So ein Quatsch!

„El Plastico“, dieser Begriff, eine Verballhornung des „El Clasico“, des spanischen Fußball-Klassikers zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid, machte die Runde – und machte die Partie der beiden Emporkömmlinge zum Stresstest. Immerhin: 1899 Hoffenheim kam dank des Mäzenatentums von Software-Milliardär Hopp im Jahr 2008 in die Bundesliga, die Leipziger stiegen dank des Investments von Dietrich Mateschitz (72) im Vorjahr in die höchste deutsche Fußball-Liga auf.

Beide Vereine schafften in ihrer Bundesliga-Premierensaison Beachtliches: Hoffenheim wurde sensationell „Herbstmeister“, die Roten Bullen stürmten auf den zweiten Platz, waren zwischendurch Tabellenführer und wurden dank der besseren Tordifferenz vor dem bisherigen Rekordhalter 1. FC Kaiserslautern (1997) bester Bundesliga-Aufsteiger aller Zeiten.

Dazu kommt die erfolgreiche Ära von RB-Sportdirektor Ralf Rangnick (58) bei den Kraichgauern. „Ich gehe von einem hochklassigen und sehr engen Spiel aus“, betonte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl (49) am Donnerstag im RBL-Mediengespräch am Cottaweg. Über den abschätzigen Titel „El Plastico“ sagte 1899-Trainer Julian Nagelsmann: „Ob es El Plastico oder El Gigantisimo heißt, ist mir völlig wurscht.“

Die Emporkömmlinge eint vor allem eins: Die Abneigung vieler Fußball-Traditionalisten gegen die von Milliardären gesponserten Clubs. „Wir sind beides keine alten Vereine, die ewig in der Bundesliga sind“, meinte Hasenhüttl, ansonsten sehe er nicht so viele Gemeinsamkeiten. Eine ist aber offensichtlich: Der Tabellenzweite Leipzig ist mit 39 Punkten und 34:15 Toren bester Aufsteiger in der Bundesliga-Historie und Hoffenheim als einzige Mannschaft in Europas Topligen noch ohne Niederlage. Der Erfolg eint beide Teams bisher auch. Zudem spielen beide so, dass es höchstungemütlich für den Gegner werden kann.

Hasenhüttl: ,,Taktisch eine tolle Herausforderung”

Leipzig, erklärte Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann am Freitag in einer Pressekonferenz, habe eine außergewöhnliche Art zu verteidigen und Bälle wieder zu erobern: „Das löst Stress und Chaos aus beim Gegner.“ Hoffenheim, sei fußballerisch top, individuell gut besetzt, erkannte Hasenhüttl mit Respekt an. Er geht auch fest davon aus, dass die Gäste in Leipzig sehr, sehr mutig auftreten und sich nicht verstecken werden. „Es wird eine tolle taktische Herausforderung, weil unser Netz einfach perfekt funktionieren muss.“

Nur zweimal funktionierte der Leipziger Verbund mit dem aggressiven Gegenpressing, dem laufintensiven Hochgeschwindigkeitsfußball und dem ständigen Ballerobern nicht: Beim 0:1 in Ingolstadt und beim 0:3 beim Branchenriesen FC Bayern München, der seitdem mit drei Punkten vor den Leipzigern die Tabelle anführt.

Leipzig gegen 1899 Hoffenheim: Diese Partie steigt erst zum zweiten Mal in der Bundesliga-Geschichte, das Hinspiel endete 2:2. Schiedsrichter der Begegnung ist Wolfgang Stark aus Ergolding.




Über den Redakteur

Carsten Germann

Carsten Germann ist studierter Medienwissenschaftler und Germanist. Seit 1. Januar 2017 betreut er den Bullenblog als leitender Redakteur. Zudem schreibt der Wahl-Hamburger als freiberuflicher Sportjournalist für BWIN Fußball, SPORT BILD und WahreTabelle, ist zudem Autor mehrerer Bücher über die Fußball-Bundesliga und die englische Premier League.

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