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Fanprojekt Leipzig kritisiert Sicherheitskonzept in Dortmund

Blick auf die Dortmunder Nordtribüne - mit mehr als 8.000 Leipziger Fans und den Roten Bullen beim abschließenden Gang in die Kurve. Foto: Markus Laue / Der Bullenblog.

Polizei in der Verantwortung

In der seit Samstag andauernden Debatte um die Angriffe von Dortmunder Chaoten auf RB-Fans aus Leipzig hat sich nun auch das Fanprojekt Leipzig eingeschaltet. In diesem Projekt werden die Fans von RasenBallsport Leipzig, Lok Leipzig und Chemie Leipzig begleitet.

Fanprojekt-Mitarbeiter Jakob Grudzinski erklärte dem SPIEGEL, dass die Sicherheitsvorkehrungen in Dortmund schlichtweg nicht ausreichend waren. „Das Sicherheitskonzept war von vorne bis hinten katastrophal“, beschreibt er die Situation für die Fans, die mit einem Sonderzug anreisten.

Es gab vom Dortmunder Hauptbahnhof bis kurz vor dem Stadion keinerlei begleitende Polizisten, die Anhänger waren möglichen und auch dann erfolgenden Angriffen völlig frei ausgesetzt.

Besonders ärgerlich sei dies, weil vor der Partie auf die möglichen Probleme hingewiesen wurde. „Wir haben schon Tage vor dem Spiel Kontakt zur Polizei aufgenommen, mit der Bitte, für unsere Sicherheit zu sorgen.“ In Deutschland funktioniere die interne Kommunikation der Polizeibehörden einfach nicht so, wie sie eigentlich funktionieren sollte.

Laut SPIEGEL sollen an den Übergriffen nicht nur die Ultras, sondern auch “normale” Fans beteiligt gewesen sein. Grudzinskis Erfahrung besagt, dass RB Leipzig „auch für Fußballfans, die sonst nie auffallen, so ein großes Feindbild ist, dass auch der Familienvater mit Kind an der Hand völlig durchdreht“.

Dortmunder Polizei weist alle Anschuldigungen zurück

Nina Vogt, Sprecherin der Polizei Dortmund, weist die Vorwürfe des Fanprojekts Leipzig zurück. Diese besagten unter anderem, dass man die Lage seitens der Polizei in Dortmund nicht anhand von Erfahrungswerten bewertet habe. Die Erkenntnis der besonderen Rivalität konnte die Polizei aufgrund der falschen Bewertung nicht erlangen.

Aufgrund von Erfahrungen an den anderen Spielorten habe man wenigstens den Mannschaftsbus besonders geschützt und umgeleitet. In Zukunft wird es ein überdenken geben, diese Partie nicht doch als Hoch-Risikospiel einzustufen, um Vorkommnissen wie vergangenen Samstag entgegenzuwirken.

Kollektivstrafen haben sich nicht bewährt

Kollektivstrafen wie die Sperrung der Südtribüne hätten allerdings keinen Sinn, meint das Fanprojekt Dortmund. „Solche Maßnahmen haben sich in der Vergangenheit nicht bewährt“, erklärt Fanprojekt-Leiter Thilo Danielsmeyer. Vielmehr ginge es darum, dass „Einzeltäter hart bestraft werden müssen“.

Unentschuldbar seien die Angriffe aus der Sicht Danielsmeyer. Aber: „Wenn man sich den Hype ansieht, der von den Medien und den Klubs vor dem Spiel gemacht wurde – da wurde diese Partie ja quasi zum ‚Kampf der Systeme‘ hochgeschaukelt. Jede Äußerung wurde total wichtig und Leipzig als Feind schlechthin ausgemacht. Da sind Grenzen dann schnell überschritten.“

Die Vertreter des Fanprojekt Dortmund sieht die Verantwortlichkeit für die Angriffe auch bei Auswärtigen. „Das Spiel hat viele angelockt, die sonst nicht oft ins Stadion kommen. Dazu kommt, dass wir in Dortmund die Neonazi-Hauptstadt Deutschlands sind. Diese Leute wollten die Beliebtheit des BVB als Vehikel benutzen. Es ist eine wahnsinnige Gemengelage, eine komplizierte Struktur.“

Gunter A. Pilz fordert Stadionverbote

Fanforscher Gunter A. Pilz sieht die Sache nicht ganz so kompliziert. Er fordert in einem Interview, „dass möglichst viele dieser verantwortungslosen Chaoten identifiziert und ihrer Strafe zugeführt werden und ein jahrelanges Stadionverbot bekommen, auch wenn die Dinge außerhalb des Stadions passiert sind“. Dabei habe das, „was jetzt in Dortmund passiert ist, schon eine neue Dimension, weil die Auseinandersetzung völlig friedliche normale Fans betraf.“

Die Mitverantwortung müssten die Funktionäre wie Hans-Joachim Watzke aufgrund ihrer Sticheleien im Vorfeld der Partie tragen. „Das trägt nicht dazu bei, dass die Fans friedlicher werden.“ Allerdings hätte eine gute Polizeiorganisation die Ausschreitungen auch schnell zu einem Ende bringen können.

Er findet aber auch noch Lob für die Dortmunder Borussia: „Der BVB leistet eine vorbildliche präventive Arbeit. Sie haben ja auch Probleme mit rechten Fans. Was sie dort vor Ort machen, ist wirklich vorzeigbar und mustergültig.“ Vor allem aus diesem Grund sei es angeraten, dass sich Vereinsverantwortliche mehr zurückhalten und nicht „Wasser auf die Mühlen der Fans und deren Hass- und Gewaltbedürfnisse schütten“.

Der BVB hingegen sei verantwortlich für die Banner im Stadion. „Dafür gibt es Ordnungsdienste, dafür gibt es Ordner. Wenn solche Plakate ins Stadion gebracht werden, müssen sie konfisziert und weggebracht werden.“




Über den Redakteur

Niklas Hennemann

Niklas ist fußballbegeisterter Azubi aus Norddeutschland. Aktuell als Groß- & Aussenhandelskaufmann aktiv, will er zukünftig seine Brötchen als Fußball-Redakteur verdienen. Niklas hat die Entwicklung der Roten Bullen von Anfang an begeistert verfolgt.

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