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Fußball-Projekt-Manager Rangnick: „Name wird hier nie gelöscht“

Ralf Rangnick (m.) führte RB Leipzig 2016 in die Fußball-Bundesliga.

Für Fußball-Traditionalisten ist ,,El Plastico” mit RBL und ,,Hoffe” ein Albtraum, für die Fans von 1899 Hoffenheim ein erfreuliches Wiedersehen mit dem Mann, der den Verein einst auf die Landkarte brachte: Ralf Rangnick. Der heute 58-jährige RB-Sportdirektor brachte die Kraichgauer 2008 mit viel Akribie, bester Vernetzung, Top-Scouting und Fußball-Sachverstand in die Bundesliga, machte sie zum „Herbstmeister“ der Spielzeit und entdeckte spätere Superstars wie Demba Ba, Vedad Ibisevic, Luiz Gustavo oder Carlos Eduardo. RBL-Routinier Marvin Compper (31) wirkte unter Rangnick ebenfalls beim Hoffenheim-Aufstieg mit,  Dominik Kaiser und Stürmer Davie Selke kennt Ralf Rangnick ebenfalls aus seiner Zeit bei der TSG.

Die erfolgreichen Zeiten, als 1899 die Bundesliga stürmte, haben sie im beschaulichen Hoffenheim auch fast ein Jahrzehnt später nicht vergessen. „Natürlich sind die Anfänge unter ihm hier noch zu spüren“, sagte 1899-Coach Julian Nagelsmann (29) der Deutschen Presse-Agentur (dpa), „der Name wird hier nie gelöscht, dafür sind seine Verdienste zu groß.“

Rangnick führte den Nobody Hoffenheim zur ,,Herbstmeisterschaft”

Von der damals drittklassigen Regionalliga führte Rangnick, der zuvor auch beim VfB Stuttgart gearbeitet hatte, den „Dorfklub“ aus dem Kraichgau bis in die deutsche Fußball-Eliteliga.

Sogar der FC Bayern München schaute im Herbst 2008 neidisch auf das, was sich da im wilden Südwesten tat. „1899 Hoffenheim, wo haben die sich die letzten 100 Jahre versteckt“, war nur eine Spitze von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge gegen den Liga-Neuling. Ralf Rangnick blieb die Antwort nicht schuldig: „Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, müssen Sie nach München gehen, wenn sie flotten Fußball sehen, müssen sie zu uns kommen.“ Zwar stürzte 1899 Hoffenheim in der Rückrunde 2008/2009 noch auf Rang sieben ab und kam damit nicht in den Europapokal, aber auch der große FC Bayern verfehlte sein Saisonziel, die Deutsche Meisterschaft und das CL-Finale.

Auch Ulm und Hannover profitierten von Rangnicks Fußball-Fachwissen

Ralf Rangnick gilt in Deutschland als ein Spezialist für Fußball-Projekte und Aufstiegs-Missionen. Vor seinem Engagement in Hoffenheim führte er 1998 mit dem SSV Ulm ebenfalls einen Außenseiter aus Baden-Württemberg in die 2. Bundesliga, der Schweizer Martin Andermatt setzte diese Arbeit fort und brachte die „Spatzen“ 1999 in die Bundesliga.

Im Jahr 2002 führte Ralf Rangnick auch Hannover 96, das zuvor 1988 zuletzt in der Bundesliga gespielt hatte, ins „Oberhaus“. Wie auch schon bei seinen anderen Stationen setzt Rangnick auf sein modernes, schnelles und attraktives Spielsystem. Viererkette, Pressing. Er entwickelt es immer weiter. In Leipzig heißt das: Gegenpressing, Balleroberung.

Rangnick hat in ganz Europa gute Scouts und Kontakte

Rangnicks größte Stärke, so analysiert SPORT BILD (aktuelle Ausgabe): ,,Er ist in ganz Europa vernetzt und agiert schneller als andere.” Wie bei Oliver Burke. Den hoch talentierten Schotten jagte die halbe englische Premier League, Rangnick holte ihn kurz vor Transferschluss für 15 Mio. Euro nach Leipzig. Bei Naby Keita vertraute Rangnick seinen Scouts aus Belgien, die den Mittelfeldspieler 2014 vom Absteiger Istres erst nach Salzburg holten. Auch RB-Berater und Liverpool-Trainerlegende Gérard Houllier gehört zu Rangnicks wichtigsten Ratgebern, nicht nur im Fall Keita, der seit Sommer 2016 für die Leipziger Bullen spielt. Den Schweden Emil Forsberg warb Rangnicks zukünftiger Assistent Per Nilsson im Sommer 2015 am Rande der CL-Quali-Partie RB Salzburg – Malmö FF an – heute ist Forsberg aus dem Spiel der Leipziger nicht wegzudenken.




Über den Redakteur

Carsten Germann

Carsten Germann ist studierter Medienwissenschaftler und Germanist. Seit 1. Januar 2017 betreut er den Bullenblog als leitender Redakteur. Zudem schreibt der Wahl-Hamburger als freiberuflicher Sportjournalist für BWIN Fußball, SPORT BILD und WahreTabelle, ist zudem Autor mehrerer Bücher über die Fußball-Bundesliga und die englische Premier League.

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