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Lautern vs. Leipzig – Welcher Sensations-Aufsteiger war besser?

Leipzig, 15.05.1998, Fussball, Freundschaftsspiel. , FC SACHSEN LEIPZIG - 1.FC KAISERSLAUTERN , Michael Ballack (r., K«lautern) gegen Bela Virag (l.,Leipzig). , Foto: PICTURE POINT / Sonntag Veršffentlichung ist honorarpflichtig (zuzŸgl.Mwst) , Volksbank Leipzig, BLZ: 860 956 04, Kto.: 307 239 000.

Die „Roten Teufel“ vom Betzenberg schafften 1997/98 das, wovon die Fans in Leipzig sicher träumen: Sie holten als Aufsteiger die Deutsche Meisterschaft.

Die Mannschaft von Trainer-Legende Otto Rehhagel (heute 78) überraschte vor fast zwei Jahrzehnten alle Experten und schuf ein bis heute einmaliges Kunststück in der Bundesliga. Das „englische Leicester“, wie SKY Sport Kaiserslautern nach dem Sensations-Meisterstück der „Foxes“ 2016 in der Premier League nannte, weist rein vom Sportlichen her eine Menge Parallelen zu den Leipzigern auf. Doch es gibt auch eine Vielzahl an harten Fakten, die beide Klubs trennen.

Punktezahl: Der FCK stürmte am 29. November 1997 durch einen Last-Minute-Erfolg gegen den Hamburger SV (2:1) mit 39 Punkten zur „Herbstmeisterschaft“ und lag zu diesem Zeitpunkt bereits vier Punkte vor dem Titelverteidiger FC Bayern München (am Saisonende: zwei Punkte). Die Leipziger egalisierten am Samstag beim 3:0 gegen Eintracht Frankfurt die Lauterer Punkte-Bestmarke, doch durch das 0:3 beim Branchenführer FC Bayern am 16. Spieltag war die inoffizielle „Herbstmeisterschaft“ nicht mehr erreichbar. Dennoch dürfen sich die Roten Bullen – gemeinsam mit den Roten Teufeln – „bester Aufsteiger aller Zeiten“ nennen.

Ausgangslage: Vor dem Sprung in die Bundesliga gehörten die Pfälzer zum Inventar der deutschen Fußball-Eliteliga. 1963 waren sie Gründungsmitglied, ihr (erster) Abstieg 1996 stürzte eine ganze Region in die Depression. Mit dem Trainer-Veteran Rehhagel und einer nach dem Abstieg kaum veränderten Mannschaft gelang 1997 die direkte Rückkehr. Ganz anders die Leipziger: Der erst 2009 gegründete Verein spielt 2016/2017 sein erstes Jahr in der Bundesliga und investierte vor der Saison vornehmlich in jüngere Spieler.

Auftakt: Lautern verblüffte am 2. August 1997 ganz Fußball-Deutschland, gewann 1:0 beim haushohen Favoriten FC Bayern. Ein süßer Sieg für Coach Rehhagel, war er doch 1996 nach nicht einmal einem Jahr bei den Münchnern gefeuert worden. „Ich wollte nur ein Fußballspiel gewinnen“, grinste sich der mit allen Wassern gewaschene Trainer nach der Partie im Münchner Olympiastadion eins. Die Leipziger stellten sich mit einem 2:2 bei 1899 Hoffenheim in der Liga vor, sorgten dann aber mit dem 1:0-Erfolg gegen Borussia Dortmund ebenfalls für einen Paukenschlag.

Erste Pleite: Die „Roten Teufel“ erwischte es am achten Spieltag, die „Roten Bullen“ am 14. Lautern verlor ausgerechnet vor heimischer Kulisse, in der „Festung“ Fritz-Walter-Stadion, gegen Werder Bremen (1:3). Eine Niederlage somit gegen ein Team, das am Ende auf Platz sieben nicht in den internationalen Rängen stand. Das dürfte auch dem ersten RBL-Bezwinger kaum gelingen. Die Leipziger kassierten beim Abstiegskandidaten FC Ingolstadt eine sensationelle 0:1-Niederlage.

Torjäger: Timo Werner (20) ist mit zehn Treffern aus 17 Spielen der Top-Knipser bei RBL. Diese Rolle hatte 1997/98 bei den Lauterern ebenfalls ein Sachse inne: FCK-Stürmerlegende Olaf Marschall (heute 50). Der frühere Lok-Angreifer, 1987 mit den Leipzigern im Europapokalfinale der Cupsieger, erzielte in der Hinrunde 13 Treffer und war mit 16 Scorerpunkten (Drei Assists) bester Spieler der Liga hinter Stuttgarts Regisseur Krassimir Balakov. Am Saisonende musste sich Marschall mit 20 Treffern knapp Leverkusens Tor-Garant Ulf Kirsten geschlagen geben. Diese Marke von 20 Buden kann Timo Werner, bleibt er verletzungsfrei, ebenfalls schaffen. Er kommt in 17 Spielen 2016/2017 auf zwölf Scorerpunkte.

Hinrunden-Bilanz: Lautern und Leipzig holten jeweils 39 Punkte, verloren beide je zwei Spiele. Leipzig unterlag bei den Bayern und in Ingolstadt, Lautern zog gegen Werder und am 16. Spieltag beim VfL Wolfsburg (1:2) den Kürzeren. Aber: Mit 37 erzielten Treffern waren die „Roten Teufel“ torhungriger als die Roten Bullen, die in 17 Spielen 34-mal einnetzten. Dafür zeigte sich die Leipziger Defensive um den Ur-Lauterer Willi Orban (24) stabiler als die Abwehr der Pfälzer. RBL ließ nur 15 Gegentore zu, die Lauterer kassierten in der ersten Halbserie 21 Treffer.




Über den Redakteur

Carsten Germann

Carsten Germann ist studierter Medienwissenschaftler und Germanist. Seit 1. Januar 2017 betreut er den Bullenblog als leitender Redakteur. Zudem schreibt der Wahl-Hamburger als freiberuflicher Sportjournalist für BWIN Fußball, SPORT BILD und WahreTabelle, ist zudem Autor mehrerer Bücher über die Fußball-Bundesliga und die englische Premier League.

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